Fortsetzung Rasseportrait von Adolf Kraßnigg (Seite 2)

Schneelöwen

Die Verehrung der Apso geht vielmehr auf zwei unterschiedliche Motive zurück, die jedoch beide im Buddhismus/Lamaismus Tibets verwurzelt sind. Da wird zunächst Buddha oft in Begleitung mythischer Wächter, den Schneelöwen, dargestellt. Auf tibetisch werden sie „ssengge“ genannt. Klein von Gestalt, wachsen sie bei Gefahr zu gewaltiger Größe heran und beschützen den Erleuchteten. Die Apso werden eindeutig nach dem Bild dieser Schneelöwen Buddhas selektiert. Berühmt ist das Bild des heutigen Dalai Lama mit seinem weißen Tibet Terrier „ssengge“!

 

Lange Zeit geisterte sogar die Vermutung von „Löwenhunden“ als tibetische Hunderasse durch Berichte Tibetreisender. Das aber hat sich als falsch herausgestellt. Alle Apso sind Abbilder der Schneelöwen!

 Die zweite Wurzel der Verehrung von Hunden allgemein rührt aus der Überzeugung, Hunde seien Wiedergeburtsträger - insbesondere von Mönchen, die schwere Verfehlungen begangen haben. Gewiss kein Aspekt der Heiligkeit! In tibetischen Klöstern gibt es viele Hunde, und sie werden von den Mönchen mit Respekt und Liebe behandelt. Zum einen sind sie ja so etwas wie Mitbrüder, wenn auch in anderer Gestalt, zum anderen baut ein kluger Mönch vor: Falls er selber in die Verlegenheit kommen sollte, als Hund wieder geboren zu werden, möchte auch er gut behandelt werden!

 

Nomaden- und Klosterhunde

Unsere Tibet Terrier nun, wie sie heute in Europa anzutreffen sind, entstanden aus zwei Zuchtlinien. Die eine ist die Nomadenzucht, wo sie als Hütehunde in mehr als 4000 m Höhe Ziegen-, Schaf- und Yakherden zusammen hielten und Herde und Lager vor Feinden aller Art warnten. Dann aber zogen sie sich hinter ihre Kameraden, den riesigen Herdenschutzhunden vom Typ des Do Khyi, zurück und überließen, kluge Kleine, den Großen die Kampfstätte.

Von den Nomadenhunden stammt das doppelschichtige Haarkleid, - lange Deckhaare, dichte Unterwolle -, das gegen eisige Kälte und Wind ebenso wie gegen Nässe und Sommerhitze schützt. Wir führen auf diese Zucht auch die robuste Gesundheit unserer Hunde zurück, ebenso den quadratischen, kraftvoll bemuskelten Körper mit seinen besonderen Klettereigenschaften, wie ein Gebirgs- und Schneehund sie braucht. Dazu zählen das tief stehende Sprunggelenk, die ideale Winkelung der anderen Gelenke, die teilweise beweglichen Krallen und die ungewöhnlich breiten Pfoten, die wie Schneeschuhe wirken.

 

Als ein besonderes Erbe dieser selbständig arbeitenden Hütehunde hat sich bis heute eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Fremden, aber auch der „eigene, selbständige Charakter“ erhalten, der keine Unterwürfigkeit kennt. Manche nennen das auch einen Dickkopf!

 Die zweite Zuchtlinie sehen wir in der Klosterzucht. Als Weihegaben schenkten die Viehnomaden den Klöstern besonders ihre kleinen, zierlichen Hunde, die nun Begleiter, Wärmeflaschen und „Bethunde“ der Mönche wurden. Von dieser Zuchtlinie stammen vor allem die feinen, asiatisch runden Formen unserer Tibeter und besonders ihre verträgliche, liebenswerte Art, und damit ihr unvergleichlicher Charme!